Das richtige Fernglas für Naturbeobachtungen

Das Angebot an Ferngläsern ist vielfältig. Da ist es nicht leicht, den Durchblick zu behalten. Für Naturbeobachtungen kommt es aber nur auf wenige, wichtige Eigenschaften an, über die das „Glas“ verfügen sollte.

 

1. Bildhelligkeit

Ferngläser für Naturbeobachtungen sollten über eine ausreichende Bildhelligkeit auch bei ungünstigen Lichtverhältnissen verfügen. Für längere Beobachtungen in der Natur kommen vor allem Gläser infrage, die am Okular, dem Teil der Optik, durch den das Licht ins Auge tritt, eine „Austrittspupille“ von mindestens 4 Millimetern haben und eine Vergrößerung von 8fach bis 10fach.

Dies erfüllen Gläser mit zum Beispiel folgenden Spezifikationen:

  • 8x32, 8x40 (42)
  • 10x40 (42)
  • 8x50 (56), 10x50(56)

Der erste Wert bezeichnet die Vergrößerung, der zweite den Durchmesser des Objektivs vorne am Fernglas. Teilt man den Objektivdurchmesser durch die Vergrößerung erhält man den Durchmesser der Austrittspupille: Ein Glas mit den Daten 8x40 hat demnach eine Austrittspupille von 5 Millimetern (40:8 = 5).

Übrigens: Richtet man das Glas gegen einen hellen Hintergrund und blickt aus einem Abstand von ca. 30 Zentimetern auf beide Okulare, so erkennt man die beiden Austrittspupillen als kreisrunde, helle Flecke.

Die sogenannte „geometrische Lichtstärke“ wird berechnet, indem man das Quadrat der Austrittspupille bestimmt. Ein Glas mit den Leistungsdaten 8x32 hat also eine Lichtstärke von (4)2 = 16, eines mit 10x50 eine von (5)2 = 25. Ein Taschenfernglas mit den Daten 10x25 kommt da mit einer Lichtstärke von 6,25 auf gerade mal ein Viertel dieses Wertes und ist für ausdauernde Naturbeobachtungen weniger geeignet.

Es gibt noch die sogenannte “Dämmerungszahl“, aber die ist interpretationsbedürftig und soll daher an dieser Stelle nicht erläutert werden.

2. Vergrößerung

Wenn ein Glas 10fach vergrößert, erscheint ein 50 Meter entfernter Gegenstand so, als wäre er nur 5 Meter entfernt.

Für viele Naturbeobachtungen macht eine Vergrößerung von weniger als 8fach keinen Sinn, weil man dafür eine gute Detailerkennung braucht (Ausnahmen: Jagd, Seefahrt). Das Gleiche gilt für Gläser mit Vergrößerungen von mehr als 10fach, denn diese können von nur wenigen Menschen freihändig ruhig gehalten werden. Jede Unruhe der Hand wird mitvergrößert, das Bild verwackelt und längere Beobachtungen ermüden schnell (Ausnahme: Gläser mit integriertem Bildstabilisator).

Ein Glas mit geringerer Vergrößerung bietet den Vorteil eines größeren Sehfeldes: Man überblickt ein weiteres Areal als mit einem stärker vergrößernden Glas, was von Vorteil ist, wenn permanent große Areale abgesucht werden müssen oder Tiere optisch „eingefangen“ werden sollen, die sich schnell bewegen. Weitwinkelokulare erweitern das Sehfeld zusätzlich.

3. Gewicht und Größe

Aus dem Gesagten ergibt sich: Je größer der Objektivdurchmesser des Fernglases, desto heller ist sein Bild (bei gleicher Vergrößerung). Zugleich nimmt aber sein Gewicht zu, weshalb die meisten Naturbeobachter einen Kompromiss aus benötigter Lichtstärke und vertretbarem Gewicht anstreben, ‑ immer in Abhängigkeit vom hauptsächlichen Einsatzzweck. Denn es ist ein Unterschied, ob man ein Fernglas für Beobachtungszwecke mehrere Stunden mit sich führt oder nur zu einem Beobachtungsturm transportiert.

Die meisten Nutzer empfinden ein Fernglas mit 30-42 Millimetern Objektivdurchmesser als noch leicht (550 bis 800 Gramm), eines mit einem Objektivdurchmesser von 50 mm und mehr dagegen schon als recht schwer (1000 Gramm und mehr). Gut konstruierte Trageriemen mit breiter Auflagefläche helfen, das Gewicht „er-träglicher“ zu machen.

Hauptgrund für die meisten Naturbeobachter, sich dennoch für ein schwereres Fernglas zu entscheiden ist der häufige Einsatz unter schlechten Lichtverhältnissen bei gleichzeitigem Bedarf nach einer hohen Vergrößerung für bessere Detailerkennung (z.B. Tierbeobachtungen in tiefer Dämmerung).

4. Bildqualität

Die Abbildungsqualität eines Fernglases hängt von der Qualität der verwendeten Linsen, ihrer präzisen Justierung und von ihrer Vergütung ab. Es gibt heute Gläser mit Mehrschichtvergütungen, die sich durch eine hohe Lichtdurchlässigkeit von deutlich mehr als 90 %, eine sehr gute Farb- und Kontrastwiedergabe auch bei ungünstigen Lichtverhältnissen und eine große Bildschärfe bis hin zum Bildrand auszeichnen. Eine solche Qualität hat dann allerdings ihren Preis.

5. Konstruktion

Für Naturbeobachtungen sollte die Konstruktion des Fernglases robust sein und eine gute Bedienbarkeit auch unter ungünstigen Witterungsverhältnissen ermöglichen (Nässe, Kälte, Staub). Wichtige Eigenschaften sind:

  • Unempfindlichkeit gegen Nässe und Schmutz durch eine gute Abdichtung der Optik
  • Korrosionsfestigkeit und Nichtbeschlagen der Optik durch eine Gasfüllung
  • Unempfindlichkeit gegen Stöße durch ein robustes Gehäuse mit Gummiarmierung
  • Eine leichtgängige Fokussierung, die eine komfortable Scharfstellung des Bildes auch bei niedrigen Temperaturen und mit Handschuhen ermöglicht.
  • Brillenträgerokulare, durch die sich das Absetzen der Brille bei der Beobachtung erübrigt.

Fazit

Wer Naturbeobachtungen vor allem tagsüber bis zum Einbruch der Dämmerung macht, ist mit einem Fernglas gut bedient, das bei einer Vergrößerungsleistung von 8-10fach und einem Objektivdurchmesser von 32-42 Millimetern eine Lichtstärke von mindestens 16 aufweist (Austrittspupille = 4 Millimeter). Solche Allrounder der Naturbeobachtung wiegen deutlich weniger als ein Kilogramm. Für häufige Beobachtungen in tiefer Dämmerung sollte das Fernglas dagegen über eine Austrittspupille von mindestens fünf Millimetern verfügen. Dafür ist es dann aber, zumindest bei höheren Vergrößerungen ab 10x, erheblich größer und schwerer.


Doch wie findet man nun das richtige Fernglas für sich, das, welches den eigenen Bedürfnissen am besten gerecht wird?

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